Jun 28, 2021
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10 Fragen an: Marco Pfannenstiel

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ERZlich Willkommen liebe Freunde der Schutz- und der Leittechnik! Die Vernetzung unserer Leser, also die Vernetzung von Entwicklern, Ingenieuren, Lieferanten, Betreibern, Verkäufern, Programmierern, Studenten sowie Jung und Alt ist das Wichtigste, ein starkes Netzwerk die Basis von gemeinsamen Erfolg. Aus diesem Grund existiert wir unsere Serie "10 Fragen an: ... ". Auch dieses mal stellen wir einen treibenden Akteur der schutz- und leittechnischen Welt vor. In unserem neuen Beitrag unserer hochinteressanten Serie stellen wir Marco Pfannenstiel von der Stromnetz-Hamburg GmbH vor. Viele werden Ihn bereits kennen, aber längst nicht alle. Wir starten mit 10 Fragen an Marco Pfannenstiel.

Marco Pfannenstiel

Marco Pfannenstiel hat 1984 bei den Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) in Hamburg seine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker begonnen und 1987 abgeschlossen. Direkt nach der Ausbildung hat er dann als Prüfassistent im Bereich Schutztechnik erste Erfahrungen gesammelt. Weiterführend hat er 1992 die Prüfung zum Industriemeister Elektrotechnik abgelegt und war dann als Meister-Schutztechnik tätig. Seit 2005 ist er im Unternehmen auf die Stelle desInbetriebnahme-Ingenieurs Schutztechnik versetzt worden.
Seine Aufgabenschwerpunkte sind die Projektbegleitung und die Inbetriebnahme von Netzanlagen in den 380-, 110-, 25- und 10-kV-Spannungsebenen sowie Kraftwerksanlagen mit einer Generatorleistung von bis zu 1.300 MW.
Unter anderem beschäftigt er sich seit 2019 im Projekt Umspannwerk 2030 (UW2030) mit der Erarbeitung, Planung und dem Bau eines neuen Umspannwerksstandards, für die Stromnetz-Hamburg GmbH (Nachfolgegesellschaft der HEW), auf Basis derIEC 61850.

10 Fragen an: Marco Pfannenstiel

1. Wann und wo sind Sie geboren?

Am 03.04.1968 in Hamburg Barmbek. Am 3. April haben auch Marlon Brando und Eddie Murphy Geburtstag. :-) …

2. Warum sind Sie Ingenieur geworden?

Da ich nicht studiert habe ist diese Frage schlecht zu beantworten. 
Zu den HEW und somit zur Elektrotechnik bin ich aus einem recht einfachen Grund gekommen, meine Mutter hat bei den HEW in der Kantine gearbeitet. Mit 16 Jahren hatte man damals noch keine weltergreifenden Ziele, von daher war HEW okay.

3. Auf welche Universität sind Sie gegangen?

… ;-)

Anmerkung der Redaktion: An dieser überflüssigen Frage kann man auch mal schön den Nachteil von Standardisierung deutlich machen.

4. Wie kamen Sie zur Schutz- und Leittechnik?

Wie bereits erwähnt habe ich direkt nach der Ausbildung im Bereich Schutztechnik begonnen. Mir wurde schnell klar, dass die Schutztechnik bis heute einen anderen Status als die meisten anderen Abteilungen genießt.

Schutztechniker sind im Allgemeinen nicht sehr beliebt. Das mag daran liegen, dass sie meistens recht haben wollen und oft auch recht haben.

Was mir aber schnell klar wurde: Wenn es schwierig wird, holt man in der Regel die Schutztechnik dazu. 
Ich empfinde die Schutztechnik als ideales Betätigungsfeld, zum einen müssen fundierte theoretische Kenntnisse vorgehalten und fast täglich erweitert bzw. verfeinert werden, zum anderen hat man trotz der sekundärlastigen Tätigkeiten einen unabdingbaren Bezug zur Primäranlage.

5. Was war Ihr persönlich größter Erfolg im Beruf?

Die Inbetriebnahme der neuen Maschinentransformatoren im damaligen KKW Krümmel empfand ich als besondere Herausforderung. Hier musste relativ aufwendig die weiche Ersteinschaltung über einen Maschinensatz im nahegelegenen Pumpspeicherwerk und die anschließende Kreisstromfahrt über Teile des 380-/ 110-kV-Netzes geplant und durchgeführt werden.

6. Würden Sie im Rückblick Dinge anders machen?

Manchmal denke ich, hättste mal studiert, denn mit Zettel ist manchmal weniger Überzeugungsarbeit notwendig. Andererseits hätte dann aber auch die Gefahr bestanden, nicht mehr zu 100% technisch unterwegs zu sein. Von daher fühle ich mich wohl, so wie es ist. Mir machen die technischen Herausforderungen in der Schutztechnik bis heute sehr viel Spaß.

7. Wo sehen Sie die Schutz- und Leittechnik im Jahr 2030?

Ich denke die schutztechnischen Systemkomponenten wie z. B. UMZ, Distanz, Differenzial, usw. sind in ihren Algorithmen schon recht vollständig umgesetzt. Mit zunehmender standortübergreifender Kommunikation wird es eher einfacher schutztechnische Problemfälle abzubilden. In unserem Stadtnetz fällt mir jetzt auch spontan kein schutztechnisches Problem ein, was noch nicht gelöst werden konnte. Von daher erwarte ich in der klassischen Schutztechnik - was wird mit welcher Schutzkomponente geschützt - keine großen Änderungen. 
Spannender wird dann die Frage sein, wo sich diese Komponenten zukünftig befinden. Bleibt es bei dedizierten Gerätekomponenten mit Kupferverdrahtung untereinander oder werden die benötigten Algorithmen zukünftig in zentralen Rechnern gehalten? Die IEC 61850 hat hier nach vielen Jahren der Weiterentwicklung jetzt einen Stand der Umsetzungsreife in der Breite erlangt. Auch die Gerätehersteller haben Fahrt aufgenommen und bieten einsatzfähige Lösungen an. Auch hier gilt: „Der Appetit kommt beim Essen!“ 
Fakt ist aber auch, dass hier noch viel Energie in die Umsetzung der Technologie gesteckt werden muss. Nicht zuletzt ist der Informationstransfer auf die Betriebsmannschaften zwingend erforderlich.
 Ziel muss es sein, hier eine Technologie zu etablieren die handhabbar bleibt, auch für nicht Ingenieure, auch nachts um halb drei.

Von daher sehe ich in 10 Jahren mehr Anlagen auf Basis der IEC 61850, die breite Masse wird aber noch konventionell unterwegs sein.

8. Was ist Ihr Lebensmotto?

„Sich Aufgaben zu stellen, Aufgaben zu begreifen und sie bestmöglich zu erfüllen“

Zitat: Helmut Schmidt

9. Was können Sie anderen Ingenieuren an die Hand geben oder raten?

Einfach mal machen. Viele neue Dinge und die damit verbundenen neuen Möglichkeiten versteht man erst, wenn man sie mal angefasst hat. Leider ist dafür meistens keine Zeit.

10. Haben wir eine wichtige Frage vergessen, die wir Ihnen hätten stellen sollen?

Wie bekommen wir den Wechsel zu immer komplexeren Technologien bewerkstelligt, ohne die Mannschaft zu verlieren?

HERZlichen Dank an Marco Pfannenstiel

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