Feb 28, 2018
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Genoschutz

Generatorschutz made in Germany | "Unboxing" WOODWARD's MCDGV4

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erzlich Willkommen liebe Freunde der Schutz- und Leittechnik, seit nun fast einem halben Jahrhundert liefert WOODWARD Schutzsysteme made in Germany, in früheren Zeiten noch unter der Flagge der SEG. Mit an Bord ist das MCDGV4, ein vollfunktionales IED zum Schutz von Generatoren.

Wir freuen uns riesig, die Firma WOODWARD aus Kempen war so nett und hat uns ein MCDGV4 zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. In unserer heutigen „Unboxing-Session“, wollen wir die Kiste auspacken, das erste mal „unter Saft setzen“ und schauen, ob wir mit der mitgelieferten Software schnell und einfach zueinander finden.

Das Relais wurde uns in einer weißen Polystyrol-Box übergeben, die nicht besonders groß wirkt. Um die Größenordnung richtig ins Verhältnis zu setzen, bin ich immer ein Freund von gut bekannten Referenzgrößen. Kann es da etwas besseres als eine Flasche Wein geben?

Auf der Box sind weiterhin zwei Sticker mit Infos angebracht. Zunächst fällt da die vollständige Bezeichnung MCDGV4-2B1BTA ins Auge. Aus dieser geht hervor, dass unser Testgerät über 8 digitale Eingänge, 11 Meldeausgänge, jeweils 2 analoge Ein- und Ausgänge, ein großes Display, Spannungseingänge von 0-800 V, empfindliche Erdstrommessung und die Option 19“ Baugruppenträger für den Schalttafeleinbau verfügt. Hier sind anwendungsbezogen weitere Konfigurationen entsprechend Bestellschlüssel erhältlich. Leittechnisch sind bei unserem MCDGV4 die nachstehenden Schnittstellen dabei:

🌐 IEC60870-5-103, Modbus RTU, DNP3.0 RTU | RS485/Klemmen

🌐 IEC61850, Modbus TCP, DNP3.0 TCP/UDP | Ethernet 100 MB/RJ45

Gewundert hat uns allerdings, dass es keine Bestelloptionen hinsichtlich der Schutzfunktionen gibt. Des Rätsels Lösung: WOODWARD liefert mit jedem Basisgerät den kompletten Funktionsumfang aus, der Preis bleibt davon unberührt. An so viel Fairness muss man sich erst mal gewöhnen, ein cooler Ansatz ohne Funktionspunkte oder ähnlichen faulen Zauber. Die einzigen erhältlichen Bestelloptionen, legen nur die Art der Schnittstellen und die Anzahl der Ein- und Ausgänge fest.

Ebenfalls beachtlich sind die weiten und einstellbaren Spannungsbereiche des MCDGV4:

🌐 Die analogen Spannungseingänge zur Messung der Leiter- und Verlagerungs-spannung sind zwischen 60 und 520 V parametrierbar, der maximale Messbereich liegt bei  800 V AC.

Des Weiteren können den Stickern die Webadresse und der QR-Code entnommen werden, welche zum sofortigen Download der Bedienungsanleitung in deutscher Landessprache führen. Diese ist innerhalb des Download-Servers schnell gefunden und viele weitere hilfreiche Dinge stehen hier sofort bereit, so z.B. Vorlagen für die LED-Beschriftung, Trouble-Shooting-Guides, Single-Line-Diagramme, die komplette Handbuch-Dokumentation in unzähligen Sprachen (z.B. Russisch, Spanisch, Französisch …) und so weiter. Zudem sind alle hier genannten Unterlagen auch auf der mitgelieferten CD enthalten.

Der Lieferumfang

Das MCDGV4 kommt gemeinsam mit folgendem Lieferumfang daher:

🌐 Eine CD mit der komplett kostenfreien Vollversion der Bediensoftware Smart view (Release 4.50) und vielen nützlichen Dingen, wie z.B. allen Handbüchern

🌐 Ein Protokoll über den bestandenen Test aus der Fertigung

🌐 Ein USB Kabel (hier nicht im Bild)

🌐 Zwei kleine Sticker mit QR-Codes zu den Relais-Anleitungen

Die schnelle Verdrahtung

Und dann geht es auch schon los. Um das Gerät zum ersten Test zu verdrahten, wäre es zielführend die Anschlussbelegung auf der Geräterückseite zu kennen. Dank des großen Stickers auf der Relaisoberseite ist das kein Problem, hier ist alles eineindeutig beschrieben und wir können direkt loslegen (siehe Abbildung).

Was mir hier sofort positiv auffällt, ist die generelle Möglichkeit, die Stecker auf der Rückseite allesamt abziehen zu können. Dies gilt ohne Einschränkung für alle Klemmleisten (X1 bis X6) und die Stromstecker enthalten zudem integrierte Kurzschließer. Einem ultraschnellem Relaiswechsel, ohne Erneuerung der Verdrahtung und zeitaufwendiges Umklemmen, steht hier nichts im Wege.

Zur Stromversorgung kann Gleich- und Wechselspannung zum Einsatz kommen, der DC-Bereich liegt hier bei 24 - 270 Volt, der AC-Bereich bei 48 bis 230 Volt. Stromwandlerseitig kommt das MCDGV4 gleich mit beiden gängigen Normungstypen an Bord daher: 1 A und 5 A. Hier muss bei der Verdrahtung nur der entsprechende Anschluss gewählt werden und später via Software der entsprechende Geräteparameter eingestellt werden. Das MCDGV4 hat hier keine lästigen Jumper die geändert werden müssen, es ist auch keine unterschiedliche Hardware erforderlich. Hier gibt uns das MCDGV4 eine erstklassige Möglichkeit an die Hand, ich habe nicht nur einmal vor einer Anlage mit falschen sekundären Wandlerströmen gestanden.

Die Verbindung

Nachdem das MCDGV4 verdrahtet und Smart view installiert ist, stelle ich die Verbindung via USB her und schalte die Versorgungsspannung zu.

Über „Einstellungen“ und dann „Geräteverbindung“ wird der Dialog zur Verbindung gewählt. Ich wähle die USB-Verbindung an und erhalte umgehend die Frage ob der Anschluss eingerichtet werden soll. Einen Klick weiter und ich bin mit dem Gerät verbunden. Einfacher geht es wirklich nicht.

Smart view bietet nun eine übersichtliche Bedien- und Parametrierstruktur, die für mich sofort selbsterklärend und eindeutig nachvollziehbar erscheint. Bei der Änderung von Parametern, welche Auswirkungen auf weitere Funktionen haben, gibt Smart view entsprechende Warnungen aus. Darüber hinaus sind die vorhandenen Parameter immer mit einem kleinen Klartext beschrieben, so das man sich sofort zurecht findet.

Das nachstehende Bild zeigt den grundsätzlichen Aufbau von Smart view:

Ein paar Klicks später habe ich die richtungsabhängige Erdschlussschutzfunktion scharf geschaltet, zu Testzwecken parametriert und mein COMPANO 100 (Prototyp mit Spannungsausgang) bringt das MCDGV4 zum ersten Trip.

Fazit

Vom Öffnen der Verpackung bis zum ersten Trip des MCDGV4 habe ich 50 Minuten benötigt. Dabei ist zu beachten, dass ich zum ersten Mal mit einem Gerät von WOODWARD gearbeitet habe. Dies ist aus meiner Sicht mehr als beachtenswert und dem durchgehend benutzerfreundlichen und didaktisch gut sortierten Konzept der HIGHPROTEC-Serie der Firma WOODWARD zu verdanken. Ich freue mich auf weitere Tests, wir werden uns beim nächsten Mal den Algorithmen und den Details der Schutzfunktionen, sowie einer tieferen Betrachtung der Software Smart view widmen.

Bis dahin mit HERZlichen Grüßen Alexander Muth

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