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Prüfung

KoCoS Promet SE im Test

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erzlich Willkommen liebe Freunde der Schutz- u. Leittechnik. Schon wieder gibt es einen historischen Meilenstein auf unserer Plattform schutztechnik.com zu verkünden. In diesem Beitrag findet Ihr den allerersten Schuss aus unserer neuen Serie „Der Phasenprüfer“. Der „Phasenprüfer“ ist unsere neue Beitragsreihe, in der wir Praxistests von schutz- und leittechnischen Produkten durchführen.

Der erste Phasenprüfer in der Geschichte von www.schutztechnik.com ist dem Präzisions-Widerstandsmessgerät „Promet SE“ der deutschen Firma KoCoS aus Korbach gewidmet.  

Los geht’s!

Die Firma KoCoS war so nett und hat uns ein Promet SE für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Die „kleine Prüfkiste“ erreichte uns in einem handlichen Koffer, natürlich standesgemäß mit Palme drauf.

KoCoS Promet SE im Test

Wir starten hier als erstes mit der Inventarliste:

- Stabiler, handlicher Koffer mit Palme drauf ;-)

- Promet SE Prüfgerät

- Zwei Stromanschlusskabel zur Ausgabe der Prüfgröße mit Kroko-Klemmanschlüssen

- Zwei Prüfstrippen zur Rückmessung der resultierenden Spannung mit Krokos

- Netzteil

- USB-Kabel

- Ethernet-Kabel

- Tragegurt

- Installations CD mit Software (nicht im Bild)

- Unterlagen (Qualitätszertifikat und Kalibrierschein, nicht im Bild)

Die Kiste selbst kommt recht handlich daher. Klein und griffig, mit gerade mal 1,5 kg. Die Maße sind mit 200 x 178 x 100 mm mehr als "handy".

Folgende Anschlussmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

- 2 Stromausgänge mit jeweils 5 bis maximal 200 A (DC)

- 2 Spannungsmesseingänge

- 2 PC Schnittstellen RJ45 (Ethernet) und USB

- Anschluss zur Stromversorgung via AC-Adapter

- Eingang für einen externen Temperaturfühler zur Widerstandsmessung mit Temperaturkompensation

Zunächst sind wir ersteinmal beeindruckt. Wir schalten die Kiste ein und zucken beinahe zusammen. Mit so einer schnellen "Hochfahrzeit" hatten wir nicht gerechnet (siehe Hochfahrvorgang im folgenden Video) und das obwohl wir noch nicht einmal die Stromversorgung angeschlossen haben. Dieses kleine Wunder läuft tatsächlich im netzunabhängigen Batteriebetrieb, und das laut Hersteller für ca. 400 Messungen bei 200 A (bei ca. 100 µΩ).

Unsere gernerelle Vorgehensweise bei neuen Geräten ist zunächst immer ein Blick in die Bedienungsanleitung. Hier gibt es die erste Fehlanzeige. Es befindet sich kein gedrucktes Manuel im Lieferumfang. Das wäre natürlich an dieser Stelle sehr praktisch gewesen, denn jetzt müssen wir zunächst die mitgelieferte CD in einen Rechner mit CD-Rom Laufwerk verfrachten. Aber auch hier scheint es nicht so ohne weiteres voranzugehen. Es befindet sich kein digitales Manual in pdf-From auf der CD ohne die On-Board-Software installiert zu haben. Nach kurzer Installation der Software werden wir dann fündig: Ein 25-seitiges Manual in PDF-Form in den Sprachen englisch, französisch, tschechisch und natürlich deutsch!

Das Manual ist aus unserer Sicht sehr gelungen. Kurz, knapp und präzise auf den Punkt genagelt mit entsprechend nachvollziehbaren Abbildungen dazu. So verstehen wir innerhalb kürzester Zeit wie das Gerät arbeitet und wie wir vorgehen müssen. Da es mit 25 Seiten mehr als schlank ist, hätte KoCoS hier auch eine gedruckte Version mit in den Koffer packen können.

Für den bevorstehenden Test haben wir uns kurzerhand ein Kupferrohr aus der Garage besorgt und ab geht die Post. Das nachstehende Bild zeigt unseren klassischen Prüfaufbau zur Widerstandsbestimmung. Der Messbereich liegt innerhalb der kleinen Messstrippen (Spannungsmesseingänge).

Im folgenden Video haben wir eine Widerstandsreihe (Rn-Mode) bei einem Prüfstrom von 50 A aufgenommen und die Messwerte im Nachgang gespeichert:

Im nächsten Video treiben wir es auf die Spitze und messen mit einem Prüfstrom von 200 A beim geringsmöglichen Abstand zwischen den Spannungsmesseingängen. Im Ergebnis erhalten wir ein Messwert von 10,1 µΩ !!!

Unser erstes Fazit: Sauber, die einfache und sehr präzise Bestimmung von sehr kleinen Widerständen (bis 200 mΩ) geht sehr einfach von der Hand. Ergebnisse können bequem gespeichert werden und das Touchscreen macht einen guten Job.

Ein weiteres Feature des Promet SE ist die Gütefaktorbestimmung von elektrischen Verbindungen. Dazu wird der zu beurteilende Übergangswiderstand mit Spannungsmesseingang 1 gemessen, während eine Referenzmessung unter Verwendung des zweiten Spannungsmesseinganges erfolgt. Hier ärgert es uns, dass KoCoS kein zweites Paar Prüfschnüre mitliefert. Man steht also etwas komisch auf der Baustelle, wenn man den Gütefaktor bestimmen will und nicht zuvor ein Paar eigene Messtrippen eingepackt hat. Das haben wir glücklicherweise getan. Die nachstehende Abbildung zeigt unseren Prüfaufbau:

Zu Testzwecken besorgen wir einen Prüfling mit Schraubverbindung und prüfen zuerst mit fester und dannach mit gelockerter Schraubverbindung. Die beiden folgenden Videos zeigen den Unterschied im resultierenden Gütefaktor von zunächst 1,05 und dann 1,93 (Messung mit 200 A):

Die Gütefaktor- bzw. k-Faktormessung überzeugt auf Anhieb und geht ebenfalls reibungslos über die Bühne. Als weitere Messmethode bietet das Gerät die Widerstandsmessung mit Temperaturkompensation. Der Temperaturfühler ist optional erhältlich und stand uns zu Prüfzwecken nicht zur Verfügung. Ebenfalls nicht überprüfen konnten wir die Laufzeit des Gerätes bei Batteriebetrieb sowie die vom Hersteller angegebene Ladezeit des Akkus (laut KoCoS ca. 2 h). Der innere Datenspeicher ist mit einer Kapazität für 250 Prüfungen angegeben, auch diesen haben wir, aus Zeitgründen, nicht bis an seine Grenzen gefahren.

Uns interessiert nun natürlich noch die Möglichkeit der Datenauswertung bzw. die protokolllierfähigkeit der gemessenen Daten mittels mitgelieferter Software. Beim Verbinden mit dem PC müssen wir erst kurz ausfindig machen, dass die Prüfkiste in den sogenannten "Exportmodus" versetzt werden muss, damit sie "kommunikativ" wird. Leider haben wir auf die Schnelle, trotz zusätzlicher Treiberinstallation, keine Datenverbindung mittels USB-Verbindung hinbekommen können. Mit Ethernet klappte es allerdings sofort und problemlos.

Die Software macht auf uns einen sehr einfachen und dafür auch aufgeräumten Eindruck. Wir konnten unsere Messwerte übertragen, eindeutig zuordnen und automatisiert in Protokollform ausgeben. Komisch wirkte irgendwie die Tatsache, dass die zuvor in Tabellenform aufgenommenen Messwerte (Rn-Modus) in der Protokollansicht wieder als Einzelmessungen auftauchen, anstatt in einer kleinen Tabelle dargestellt zu werden. Damit kann man sicher leben, aber hier hatten wir definitiv eine andere Erwartung an die Protokolldarstellung. Die nachstehende Abbildung zeigt einen Auszug unseres Messprotokolls:

Wie gesagt, mit der Software kann man leben, hier liegt der Schwerpunkt auf "keep it simple" und das kommt bei uns sehr gut an.

Zu erwähnen bleibt die Erweiterungsmöglichkeit der PROMET SE Geräte über vorhandene Schnittstellen zur Anbindung an ACTAS-Prüfeinrichtungen. Über die ACTAS-Prüfsoftware kann die Widerstandsmessung komfortabel in Schaltgeräteprüfungen eingebunden werden. Automatisierte Prüfabläufe und eine umfassende Analyse der Prüfungsergebnisse sind so ohne weiteres durchführbar. Die gemessenen Werte werden in die Auswertung der Prüfung einbezogen und im Prüfbericht ausgegeben.

Unser Fazit: Feines Teilchen, bei einem bezahlbaren Preis (siehe weiter unten). Noch ne Anleitung und zwei Prüfstrippen mit in den Koffer und die Sache ist rund!

Preis:

Promet SE:           3.980 EUR (mit Koffer und Anschluss- sowie Messleitungen für R1)

Kabelsatz für R2:     380 EUR

Temperatursensor:  180 EUR

HERZliche Grüsse Alexander Muth

Sicherheitshinweis:

Nichtbeachtung der folgenden Hinweise kann Tod, Körperverletzung oder erheblichen Sachschaden zur Folge haben!

Bei allen auf schutztechnik.com beschriebenen Prüfungen können gefährliche Spannungen auftreten. Die Sicherheitsregeln und Sicherheitsvorschriften für elektrische Anlagen sind bedingungslos einzuhalten. Für Arbeiten an der Primäranlage muss sich der Generator immer im Stillstand befinden und es sind geeignete Erdungs- und Kurzschließmaßnahmen an den jeweiligen Arbeitsstellen vorzusehen. Im Rahmen einer Primärprüfung an einem Turbosatz ist darauf zu achten, dass es zu keiner Überhitzung der Turbine kommt.

Die beschriebenen Arbeiten dürfen nur durch qualifiziertes Personal durchgeführt werden. Dieses muss gründlich mit den einschlägigen Sicherheitsvorschriften und Sicherheitsmaßnahmen sowie den Warnhinweisen aus den Handbüchern der Lieferanten der verwendeten Komponenten vertraut sein. Die hier beschriebenen Inhalte stellen keine Arbeitsanweisungen dar. Sie müssen in jedem einzelnen Punkt hinsichtlich der Sicherheitsregeln und Sicherheitsvorschriften durchdacht werden.

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